Ein Trauma ist ein extrem bedrohliches oder schreckliches Ereignis, wobei es sich um ein Einzelereignis oder eine Reihe von Ereignissen handeln kann (ICD-11).
Ein traumatisches Ereignis…
- bedroht die Unversehrtheit eines Menschen
- löst extreme Angst und Hilflosigkeit aus
- ist so außergewöhnlich, dass die normalen Bewältigungsstrategien nicht greifen
Dabei ist festzuhalten, dass das Ereignis an sich abnormal ist, während die psychische Reaktion auf dieses Ereignis normal bzw. menschlich ist.
Man kann Traumata einteilen in Typ I und Typ 2.
- Typ-I-Traumata sind einmalige traumatische Erfahrungen, wie Unfälle, Überfälle, Naturkatastrophen etc.
- Typ-II Traumata sind länger andauernde oder sich wiederholende traumatische Erlebnisse wie Missbrauch oder Kriegstraumata.
Neben diesen seit jeher als Trauma eingeordneten Ereignissen, möchte ich im Folgenden noch auf zwei weitere Trauma-Arten eingehen, die zunehmend mehr Aufmerksamkeit bekommen.
Bindungstrauma
Bindungstraumata bzw. Entwicklungstraumata sind stark belastende Beziehungserfahrungen mit zentralen Bezugspersonen in der Kindheit und Jugend. Sie bedeuten einen chronischen Mangel an emotionaler Sicherheit, Halt und Co‑Regulation in sensiblen Entwicklungsphasen. Typische Erfahrungen sind: andauernde emotionale Vernachlässigung, unberechenbare Reaktionen der Bezugsperson, Gewalt oder Missbrauch und Bindungsabbrüche.
Transgenerationales Trauma
Transgenerationales Trauma bedeutet, dass unverarbeitete Erfahrungen unbewusst von einer Generation an die nächste weitergegeben werden. Wenn Menschen Traumata wie Krieg, Vertreibung oder Missbrauch erleben und innerlich nicht verarbeiten können, wirkt das oft in ihrem Verhalten, in Beziehungen und in der Art, wie sie mit Gefühlen umgehen, weiter. Nachkommen spüren das vielfach, obwohl sie das ursprüngliche Ereignis nie selbst erlebt haben.
Neurobiologie von Trauma
Trauma wirkt nicht nur psychisch, sondern auch auf neurobiologischer Ebene. Traumatische Erfahrungen verändern die Regulation des Nervensystems und können dazu führen, dass man permanent alarmiert ist oder innerlich erstarrt. Dadurch können auch ungefährliche Situationen als bedrohlich erlebt werden.
Zentral sind die Überlebensreaktionen Kampf, Flucht und Erstarrung. Diese biologischen Schutzmechanismen werden bei extremer Bedrohung automatisch aktiviert. Nach traumatischen Erfahrungen können sie jedoch im Nervensystem gespeichert bleiben und bei Triggern auch lange nach dem Ereignis unwillkürlich ausgelöst werden.
Traumatische Erlebnisse werden häufig nicht als bewusste Erinnerungen im expliziten Gedächtnis, sondern fragmentiert im impliziten Gedächtnis gespeichert. Betroffene erleben dann intensive unangenehme Gefühle, Körperreaktionen oder innere Spannungszustände, ohne den Zusammenhang einordnen zu können.
Unser Körper erinnert sich: Muskeln spannen sich an, wir werden unruhig, atmen anders oder reagieren körperlich auf Stress. Das ist das sogenannte Körpergedächtnis. Trauma wird somit nicht nur psychisch, sondern auch körperlich gespeichert – weshalb es wichtig ist körpertherapeutische Elemente mit einzubeziehen.
Folgeprobleme von Trauma
Traumatische Erfahrungen können viele Lebensbereiche beeinflussen. Manche Menschen entwickeln Ängste oder depressive Symptome. Gefühle lassen sich schwer regulieren, schwanken stark oder überwältigen plötzlich.
Oft verändern sich auch Beziehungen: Nähe fühlt sich unsicher an, Vertrauen fällt schwer oder Bindungen werden instabil. Einige Betroffene dissoziieren, d.h. sie erleben sich zeitweise wie abgespalten oder nicht ganz im eigenen Körper. Andere entwickeln körperliche Beschwerden, für die sich keine ausreichende medizinische Ursache finden lässt. Manche versuchen, die innere Spannung mit Suchtmitteln oder kompensierendem Verhalten wie übermäßiger Arbeit oder Zwängen (z.B. hinsichtlich Ordnung, Sauberkeit oder Kontrolle) zu dämpfen.
Besonders bei frühen oder wiederholten Traumatisierungen leidet der Selbstwert und die eigene Identität gerät ins Wanken.
In manchen Fällen verdichten sich diese Reaktionen zu einem klar umrissenen Störungsbild: der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).
Posttraumatische Belastungsstörung
Nicht jede traumatische Erfahrung führt automatisch zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Viele Menschen verarbeiten Traumata mit der Zeit ohne professionelle Hilfe, besonders wenn sie Unterstützung und stabile Beziehungen erleben. Wenngleich dies auch von der Schwere und den Umständen des Traumas abhängt.
Von einer PTBS spricht man, wenn bestimmte Symptome über längere Zeit bestehen bleiben und den Alltag deutlich einschränken.
Symptome einer PTBS
Die Symptome einer PTBS lassen sich in drei Gruppen einteilen. Man spricht von den sogenannten Symptom-Trias, die eine PTBS kennzeichnen:
- Wiedererleben: Das Erlebte drängt sich immer wieder auf – in Form von intensiven belastenden Erinnerungsfetzen, Albträumen oder Flashbacks (Intrusionen). Betroffene fühlen sich, als würden sie die Situation erneut durchleben. Auch scheinbar harmlose Reize, die mit dem Trauma verknüpft sind (Trigger) können intensive emotionale oder körperliche Reaktionen auslösen.
- Vermeidung: Viele Betroffene versuchen, alles zu meiden, was an das Trauma erinnert. Sie ziehen sich zurück, vermeiden Orte, Trigger oder bestimmte Situationen. Meist werden auch Erinnerungen, Gedanken und Gefühle versucht zu betäuben oder sie flüchten sich in einen Funktionsmodus, um nichts spüren zu müssen. Auch wenn Vermeidungsverhalten völlig nachvollziehbar ist, so ist es der zentrale Motor, der die PTBS aufrechterhält. Denn über Vermeidung bestätigt man sich immer wieder, dass Trigger gefährlich sind, auch wenn sie es in der Gegenwart nicht mehr sind.
- Übererregung (Hyperarousal): Das Nervensystem ist in permanenter Alarmbereitschaft. Das zeigt sich durch Schlafstörungen, Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme oder eine ständige innere Anspannung.
Komplexe PTBS
Neben der sogenannten „einfachen“ PTBS, die nach einem einzelnen Ereignis wie einem Unfall entstehen kann, gibt es die komplexe PTBS (kPTBS). Diese entwickelt sich meist nach langanhaltenden oder wiederholten Traumatisierungen, oft in Kindheit oder Jugend, aber auch bei Kriegseinsätzen und missbräuchlichen Beziehungen im Erwachsenenalter.
Zusätzlich zu den klassischen PTBS-Symptomen zeigen sich hier tiefgreifende Schwierigkeiten in der Gefühlsregulation, ein instabiles Selbstbild, ausgeprägte Scham- und/oder Schuldgefühle sowie anhaltende Probleme in Beziehungen.
Eine PTBS – ob einfach oder komplex – ist gut behandelbar. Genau hier setzt die Traumatherapie an: mit Stabilisierung, dem Aufbau von Sicherheit und – wenn ausreichend innere Ressourcen vorhanden sind – einer begleiteten und systematischen Verarbeitung der traumatischen Erfahrungen.
Traumatherapie
Traumatherapie bedeutet, sich das eigene Leben Stück für Stück zurückzuerobern. In einem sicheren therapeutischen Rahmen lernen Betroffene, wieder mehr Sicherheit im Hier und Jetzt zu empfinden und das Erlebte zu integrieren.
Zunächst steht die Stabilisierung im Vordergrund. Wenn dann genug äußere und innere Sicherheit aufgebaut wurde, kann in einem nächsten Schritt eine Trauma-Exposition erfolgen.
Auch wenn es schlichtweg nicht möglich ist, die Erinnerungen zu löschen, kann das Trauma so verarbeitet werden, dass es als abgeschlossene Erfahrung in der Vergangenheit verortet ist – ohne sich immer wieder wie gegenwärtige Realität anzufühlen.
Stabilisierung
Am Anfang jeder Traumatherapie steht der Aufbau einer tragfähigen therapeutischen Beziehung. Dabei sind Sicherheit, Transparenz und ein verlässlicher Rahmen entscheidend. In dieser Phase geht es darum, sich kennenzulernen, Umstände und Vorgeschichte zu besprechen (Anamnese); es geht um Diagnostik sowie um ein gemeinsames Verständnis der Symptome und ihrer Zusammenhänge (Erklärungsmodell).
Darüber hinaus sind folgende Elemente in einer Stabilisierungsphase hilfreich:
Stresstoleranzfertigkeiten/Skills
Skills sind starke Reize, um hohe innere Anspannung zumindest kurzfristig zu senken – ohne dabei zu schaden. Sie wirken, indem sie die Aufmerksamkeit binden und ganz aufs Hier und Jetzt lenken. Sie helfen auch bei sogenannten Dissoziationen, bei Zuständen, in denen man sich abgespalten von sich oder der Realität erlebt.
Skills gibt es im Prinzip unendlich viele. Wir können sie aufteilen über unsere Sinne. Schau mal über welchen Sinn, du gut ansprechbar bist und probiere ein paar Skills aus, wenn du angespannt bist. Du kannst auch eine Skillskette entwickeln, bei der du ca. 3 Skills hintereinander anwendest.
Hier kommen ein paar Anregungen zu Skills:
Spüren:
- Bewegung: eine schnelle Runde um den Block gehen, Fitnessübungen wie Planque oder Kniebeugen, Treppenlaufen
- Kälte: kaltes Wasser über die Handgelenke laufen lassen, Coolpack, kalt duschen
- Haptisch: einen Igelball in die Hand nehmen; Akupressurring; auf eine Shakti-Matte legen
Schmecken:
- Scharfes – je nach Empfindlichkeit. Leicht: Fisherman´s Friends, mittel: frischer Ingwer, stark: Chillibonbons (google mal)
- Saures: Center Shock, in eine Zitrone beißen
Riechen:
- Inhalierstift mit Menthol, ätherische Öle, bei ausgeprägten Dissoziationen Ammoniak-Riechstäbchen
Hören:
- Playlist, die dich runterbringt (bei manchen ist das Rock/Metal/Elektro, bei anderen ruhige Klänge oder feel-good Musik)
Sehen:
- Im Raum genau umschauen und innerlich benennen, was du siehst (z. B. Farben, Formen, Details eines Objekts)
- Einen kleinen Gegenstand wie einen Stein in die Hand nehmen und innerlich genau beschreiben
Imaginationsübungen
Es gibt Vorstellungsübungen bei denen man sich (meist mit geschlossenen Augen) bspw. einen inneren sicheren Ort genau ausmalt oder mit der Vorstellung eines Tresors arbeitet, in den man die traumatischen Erinnerungen einschließt. Bei solchen Imaginationsübungen hat sich Luise Reddemann im deutschsprachigen Raum einen Namen gemacht.
Ressourcen-Aktivierung
Hier geht es darum, Dinge zu (re)aktivieren, die einem individuell guttun. Das können Aktivitäten, Hobbies oder Sportarten sein, die man vernachlässigt hat oder neu anfängt. Oder bewusst Zeit mit Menschen zu verbringen, die einem guttun.
Begleitende körpertherapeutische Elemente
Da Trauma im Nervensystem gespeichert ist (siehe oben Neurobiologie: Köpergedächtnis), macht es Sinn begleitende körpertherapeutische Elemente mit einzubeziehen: Das kann z.B. Yoga oder speziell traumasensibles Yoga sein, das noch sanfter ist und bei dem noch mehr auf persönliche Grenzen geachtet wird. Zudem sind Atemtechniken oft hilfreich (siehe hier ein YouTube-Video von mir) oder auch Progressive Muskelentspannung (PME).
Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT)
ACT ist ein Therapieverfahren, das vielfältig einsetzbar ist und insbesondere bei Trauma sehr zu empfehlen ist. ACT unterstützt dabei, belastende Gedanken und Gefühle (z.B. Angst, Scham, Schuld, Ohnmacht) neu zu betrachten, Distanz zu ihnen aufzubauen und sich trotz schwieriger innerer Zustände an den eigenen Werten zu orientieren, d.h. an der eigenen Vorstellung von einem erfüllten Leben. Siehe für mehr Infos auch meinen Blogartikel zu ACT.
ACT-Übung „Anker werfen“ ⚓️
Diese stabilisierende Übung aus der Akzeptanz- und Commitmenttherapie hilft bei schwierigen Gefühlen, Anspannung und Dissoziationen, in dem sie dich wieder in den Moment zurückholt.
Stell dir vor du bist mit einem kleinen Boot draußen auf dem Meer, um zu angeln. Der Hafen ist schon in Sicht, als ein Sturm aufkommt – in unserem Fall ein emotionaler Sturm. Was machst du? Genau: Anker werfen. Die Übung besteht aus 3 Schritten:
1. Anerkennen was ist: „Da ist…(Gefühl)“; sage dir innerlich oder laut z.B. „Da ist Angst.“ oder „Da ist Anspannung.“
2. Zurück in den Körper: z.B. tief Atmen oder Strecken Fäuste machen oder Füße fest auf den Boden stellen oder Einatmen und bis 3 zählen, dann Ausatmen und bis 5 zählen (ca. 1 Min.).
3. Sich der Außenwelt zuwenden: Bewusst wahrzunehmen, was um dich herum ist. Was siehst du gerade (Objekte/Raum, Farben, Formen…)
Dann kann man es entweder dabei belassen oder diese Schritte erneut durchgehen.
Für eine beträchtliche Anzahl an Betroffenen besteht die Therapie ausschließlich aus Stabilisierung. Das kann bereits genügen. Falls nicht, oder falls bessere Therapie-Ergebnisse erzielt werden sollen, kann zur Trauma-Exposition übergegangen werden.
Trauma-Exposition
Unter Trauma-Exposition bzw. Trauma-Konfrontation versteht man die therapeutisch begleitete Auseinandersetzung mit der traumatischen Erinnerung. Viele Betroffene vermeiden verständlicherweise alles, was an das Erlebte erinnert. Kurzfristig reduziert das die Angst – langfristig hält es jedoch die Symptome aufrecht. Exposition hilft, das Nervensystem schrittweise daran zu gewöhnen, dass die Erinnerung zwar schmerzhaft, aber in der Gegenwart nicht mehr gefährlich ist.
Voraussetzung für Trauma-Exposition
Unter Expert:innen wird intensiv diskutiert, wie viel Stabilität es für eine Trauma-Exposition braucht. Manche Therapeut:innen sind sehr vorsichtig und warten lieber länger, während andere schnell in die Exposition gehen. Nichtsdestotrotz braucht es immer eine Bereitschaft, eine gewisse innere Stabilität und einigermaßen stabile Bedingungen im Außen. Insbesondere Täterkontakt ist eine Kontraindikation für menschengemachte Traumata. D.h. wenn man bspw. Gewalt in einer Partnerschaft erfährt und noch zusammenlebt oder sich regelmäßig trifft, dann ist nicht der richtige Zeitpunkt für Trauma-Exposition. In dem Fall würde es erstmal darum gehen, wie man sich von der schädlichen Beziehung löst.
In vivo vs. in sensu Exposition
Man unterscheidet zwischen in vivo-Exposition (Konfrontation mit realen, aber objektiv sicheren Situationen, die vermieden werden) und in sensu-Exposition (geführtes Wiedererleben und Durcharbeiten des traumatischen Ereignisses). Beide Formen erfolgen strukturiert, vorbereitet und in einem sicheren therapeutischen Rahmen.
Beispiele für in vivo-Exposition:
- Bei einem Autounfall: Auto fahren
- Bei einem Überfall: Den Tatort wieder aufsuchen
- Bei Kriegstrauma: Sich in Menschenmengen aufhalten
Abhängig vom Trauma und dem, was vermieden wird, machen in vivo Expositionen aus meiner Perspektive mehr oder weniger Sinn. Im Folgenden geht es um zwei spezielle Methoden der in sensu-Exposition, mit denen ich als Therapeutin die besten Erfahrungen gemacht habe.
Imagery Rescripting & Reprocessing Therapy (IRRT)
IRRT ist eine Methode, die sehr wirksam bei Traumata ist, bei denen es einen oder mehrere Täter gab oder wenn sich andere Menschen schädigend verhalten haben. Damit ist sie insbesondere auch bei Bindungstraumata sehr gut geeignet. Darüber hinaus kann IRRT im Prinzip bei jeder belastenden interaktionellen Erfahrung aus der Vergangenheit angewandt werden.
Bei IRRT wird die traumatische Situation mit geschlossenen Augen therapeutisch angeleitet in der Vorstellung wiedererlebt. In der ersten Phase wird das Trauma wiedererzählt – und zwar so, als ob es jetzt gerade passiert. Danach wird, ebenfalls therapeutisch angeleitet, etwas an den real geschehenen Inhalten so verändert, dass ein Selbstwirksamkeits- und Kontrollerleben erreicht werden soll.
Durch die korrigierende innere Erfahrung können Betroffene sich nicht mehr ausschließlich als ausgeliefert oder hilflos erleben, sondern entwickeln ein Gefühl von Stärke, Schutz und Selbstbestimmung. Häufig kommt es dadurch zu einer deutlichen Entlastung von belastenden Bildern, Albträumen oder starken emotionalen Reaktionen im Alltag.
Eye Movement Desensitization and Reprocessing Therapy (EMDR)
EMDR ist eine wissenschaftlich gut untersuchte Methode zur Behandlung von Traumafolgestörungen. Im Zentrum steht die sogenannte bilaterale Stimulation – meist in Form von angeleiteten Augenbewegungen (z.B. Therapeut:in bewegt Finger hin und her oder auch über Softwarelösung im Rahmen von Online-Therapie). Währenddessen wird man angeleitet auf die belastende Erinnerung und die damit verbundenen Gefühle und Körperempfindungen zu fokussieren.
Durch diesen Prozess wird die Verarbeitung des Traumas angeregt. Die emotionale Intensität nimmt meist spürbar stark ab, und das Erlebte kann als vergangenes Ereignis integriert werden – ohne sich weiterhin wie eine akute Bedrohung anzufühlen.
EMDR kann auch bei der Behandlung weiterer psychischer Erkrankungen wie Angststörungen und Depression angewandt werden.
Muss jedes Trauma einzeln bearbeitet werden?
In der Traumatherapie treten Generalisierungseffekte auf, d.h. wenn eine Vielzahl an ähnlichen Traumata vorliegt, genügt es oft ein exemplarisches Ereignis zu wählen. Die Effekte können sich dann auf ähnliche Ereignisse ausweiten.
Risiken und Nebenwirkungen von Traumaexposition
Traumatherapie und speziell Trauma-Exposition bedeutet eine große Chance auf innere Freiheit und Lebensqualität. Allerdings sollte man sich darüber bewusst sein, dass Trauma-Exposition ein anstrengender und schmerzhafter Prozess ist. Sie kann vorübergehend zu einer Zunahme von Symptomen führen, etwa zu mehr Albträumen oder innerer Unruhe. Auch kann es sein, dass verdrängte Erinnerungen wieder zum Vorschein kommen.
In bestimmten Fällen – beispielsweise bei Selbstgefährdung, schweren Dissoziationen oder fehlender Stabilität – kann eine stationäre Behandlung sinnvoll sein.
Posttraumatisches Wachstum
Einige Menschen berichten im Laufe der Traumatherapie von einer positiven inneren Entwicklung. Dieses Phänomen wird als posttraumatisches Wachstum bezeichnet. Es beschreibt keine Verharmlosung des Leids, sondern die Erfahrung, durch die Bewältigung einer extremen Krise an innerer Stärke, Klarheit oder Mitgefühl gewonnen zu haben.
Posttraumatisches Wachstum kann sich zeigen in einem veränderten Blick auf das Leben, einer stärkeren Verbundenheit mit anderen oder einem bewussteren Umgang mit den eigenen Grenzen und Werten. Es ist kein Ziel, das „erreicht“ werden muss – sondern eine mögliche Entwicklung, die entstehen kann, wenn traumatische Erfahrungen integriert werden.
Fazit und Unterstützung
Traumatherapie und speziell Trauma-Exposition ist eine große Chance auf innere Freiheit und Lebensqualität. Sie bedeutet nicht nur Symptomreduktion, sondern eröffnet die Möglichkeit, Sicherheit wiederzufinden, belastende Erfahrungen einzuordnen und das eigene Leben selbstbestimmt zu gestalten.
Gleichzeitig ist Traumatherapie komplex und braucht Fachkenntnis sowie Erfahrung, d.h. sie sollte von in Traumatherapie geschulten psychologischen oder ärztlichen Psychotherapeut:innen durchgeführt werden.
Ich bin psychologische Psychotherapeutin mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie. In meiner therapeutischen Arbeit verbinde ich wissenschaftlich fundierte Methoden wie EMDR, IRRT und Elemente der ACT mit stabilisierenden Techniken und einer klar strukturierten, transparenten Vorgehensweise
Quellen:
Bohus, M., Wolf-Arehult, M., Kienast, T., Gunia, H., Jacob, G., & Oermann, A. (2013). Interaktives Skillstraining für Borderline-Patienten: Das Therapeutenmanual (2. Aufl.). Schattauer. ISBN 978-3-608-42827-8.
Schmucker, M., & Köster, R. (2014). Praxishandbuch IRRT: Imagery Rescripting & Reprocessing Therapy bei Traumafolgestörungen, Angst, Depression und Trauer (Leben lernen, Bd. 269). Klett-Cotta. ISBN 978-3-608-96999-9.
Shapiro, F., Kaslow, N. J., & Maxfield, L. (2022). EMDR: Grundlagen und Praxis (3. Aufl., C. Trunk, Übers.). Junfermann. (Original: 2018).









